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«El Saludo (Der Gruss)»
2008, Adela Picón

2008, 5'37'', Loop, DVD PAL
Konzept und Realisation: Adela Picón
Kamera und Edition: Mauro Abbühl

Wir können kein Gespräch beginnen, ohne zuvor ein höfliches Wort oder eine Grussgeste geäussert zu haben. Diese simple Geste ist zu einer grundlegenden Norm guter Erziehung geworden, über die sich niemand hinwegsetzen kann. Der Gruss ist ein transitorischer Raum, ohne den wir keine Beziehungen zwischen uns aufbauen können. Jede Begegnung, jedes Gespräch zwischen Menschen impliziert einen Händedruck, eine Umarmung, eine komplizenhafte Geste oder Blick… Es sind Höflichkeitsrituale welche uns helfen, mit dem andern in Kontakt zu treten und in gewisser Art die sozialen Beziehungen zu stärken. Möglicherweise aus diesem Grund hat Adela Picón die Videoarbeit mit dem Titel „El Saludo“ (Der Gruss) in die Ausstellung integriert. Mit einer Montage von realen Aufnahmen, in welchen der Gruss simuliert wird, zeigt das Video einen Moment, in dem es unweigerlich zur Begegnung kommt, manchmal förmlich, manchmal euphorisch. In jedem Fall geht die Begegnung gleich aus: im Moment der Begegnung verschmilzt eine Person mit der anderen, bis nichts mehr auf der Leinwand übrig bleibt, nur noch der blasse Hintergrund. Und wir fragen uns als erstes: Warum endet der Gruss immer mit diesem homogenen Bild? Vielleicht, weil hinter der Geste des Grusses nichts anderes steckt? Oder ist es eine Metapher für den Willen und die Notwendigkeit, mit dem Anderen eins zu werden? Das Projekt von Adela Picón stärkt die Vermutung, dass es nach dem Gruss einen für den Zuschauer unsichtbaren zweiten Schritt gibt, der eine Anstrengung zum Verstehen, zum Dialog und zum konstanten Verhandeln verlangt. Versteckt sich dieser zweite Schritt hinter der neutralen Kulisse?
(Magdala Perpinyà Gombau)