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«THE ULTIMATE RELAUNCH»
2002/07, Franziska Megert

7’30”
3-d Computeranimation, 4:3, PAL, ohne Ton.
Edition: 5
Produziert im Atelier der Künstlerin „Immermannstrasse 57“ Düsseldorf. Computerarbeit: Franziska Megert
Preview ist auf 0’38’’ gekürzt.

Die Eingangssequenz besteht aus einem Realvideo von gelangweilten Menschen auf einer Rolltreppe, die sie in ein hier nicht sichtbares Souterrain befördert. Es folgen der Titel und die eigentliche Animation. Auf einem runden Sockel werden zwei animierte, nackte weiße Figuren, ausgestatten mit einem rudimentär angedeutetem Geschlecht, aus der Dunkelheit emporgehoben. Wie die Modelle des Malers, die Gliederpuppen, die Mannequins oder die Schaufensterpuppen erscheinen sie auf der Bildfläche. Der stumpfe Blick der Menschen auf der Rolltreppe hat sich in ein interessiertes, erkundendes Schauen verwandelt. Sie werden in ein rundes Treppengebilde hoch gehievt, das einem Amphitheater, einem inversiven babylonischen Turm gleicht. Immer mehr gleiche Figuren erscheinen und erklimmen, hüpfen und steigen die Stufen dieses virtuellen Gebäudes hinauf. In dessen Hintergrund wird die Fassade des Museum Kunstpalast Düsseldorf sichtbar. Der ursprüngliche runde Brunnen im Hof der Museumsanlage hat sich in diesen kreisrunden Treppenaufgang verwandelt. Wie den Figuren fehlt auch der ganzen Umgebung jede Farbe. In einem der Eingangsbereiche zum Museum versammeln sich die Figuren rasch zu einer großen Menge Wartender. Unsicher, beinahe ängstlich erkunden sie mit umherschweifenden Blicken ihre neue Umgebung. Zögernd, unentschlossen aber neugierig begeben sich einige in das Museum. Bis auf zwei Figuren folgen ihnen alle nach. Vor dem gegenüberliegenden Haupteingang amüsieren sich die beiden Zurückgebliebenen nun, indem sie die statuarische Haltung der dort befindlichen Skulpturen imitieren. Diese ebenso farblosen Skulpturen - die einzigen Gestalten mit weiblichen Brüsten – erwachen dadurch urplötzlich zum Leben: sie erhalten ihre ursprüngliche Farbigkeit zurück und steigen von ihrem Sockel hinunter. Sie öffnen die Tore des Kunstpalastes und befreit eilen die eben noch fahlen Figuren aus dem Museum hinaus in den Hof. Zu unserem Erstaunen sind sie nicht wieder zu erkennen: sie sind über und über mit Farben und Mustern versehen, gesprenkelt, getupft, gerackelt, schauen aus wie Teile von Bildern, die sich im Museum befinden. Es hat den Anschein, dass sie im Innern des Gebäudes von den Kunstwerken vereinnahmt, farbig angeschossen wurden. Was von den Kunstwerken bei diesem Transfer übrig blieb, wissen wir nicht. Sie wirken jetzt insgesamt körperhafter und plastischer. Das Bildersehen, die unmittelbare Berührung des Betrachters mit Kunst hat ganz offensichtlich seine direkte Übertragung gehabt. Verdutzt stehen die nicht bunten in ihrer Mitte und bewundern diese neue Bilderpracht.